3.2 Gefragte Objekte: Die Verhandlungen mit dem Deutschen Museum in München
Vanessa Skowronek
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Wie wechselvoll die Geschichte des Physikalischen Kabinetts der Jesuiten ist, zeigt sich in den unterschiedlichen Objektgeschichten. Über die noch erhaltenen Inventare lässt sich zumindest für bestimmte Zeitpunkte nicht nur nachzeichnen, welche Objekte Teil der Sammlung waren, sondern teilweise auch, in welchem Zustand sie waren. Durch Korrespondenzen, Kaufbelege oder ähnliche Quellen ist zudem für einzelne Objekte nachvollziehbar, wann sie in die Sammlung aufgenommen wurden. Im Falle des Physikalischen Kabinetts gibt es darüber hinaus Archivalien, die einen anderen Prozess aufdecken: Anhand eines Briefwechsels aus dem frühen 20. Jahrhundert lässt sich rekonstruieren, welche Objekte beinahe die Sammlung verlassen hätten.
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Die Rede ist von dem Gesuch des Deutschen Museums in München, einige Objekte des Kölner Physikalischen Kabinetts übernehmen zu wollen. Der Besitzwechsel dieser Objekte stand lange Zeit im Raum, die Reaktionen der verschiedenen Beteiligten lassen sich heute noch dank der vorhandenen Korrespondenzen gut nachvollziehen. Den Ausschlag hatte ein Brief des preußischen Ministeriums für Unterrichtsangelegenheiten in Berlin vom 27. Oktober 1915 an das zuständige Provinzialschulkollegium in Koblenz gegeben, das ein Gesuch der Münchener an das Königliche Dreikönigsgymnasium, die Nachfolgeinstitution des Marzellengymnasiums, weiterleitete.
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Dabei konnte sich das Deutsche Museum kaum über eine unzureichende Objektfülle beschweren. Bereits Mitte des Jahres 1904, ein Jahr nach der Gründung des Museums, war es aufgrund der schnell angesammelten Menge an Ausstellungsobjekten zu ernstlichen Platz- und Lagerproblemen gekommen.
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Im Anschluss an die Anfrage zum Kölner Physikalischen Kabinett entwickelte sich die Sachlage nicht ganz so einfach – im Gegenteil. Der Verwaltungsrat des Gymnasial- und Stiftungsfonds reagierte mit einem Schreiben an den Direktor des Dreikönigsgymnasiums Josef Franke. Der Direktor wurde darüber in Kenntnis gesetzt, dass der Kölner Gymnasial- und Stiftungsfonds seine „erheblichen Bedenken“ in Bezug auf die Abgabe der angefragten Objekte an das Deutsche Museum „sowohl dem Königl. Provinzialschulkollegium, als auch dem Oberbürgermeister hierselbst“ mitgeteilt habe. Letzteren habe man dazu angehalten, „Schritte zu tun, um die Sache der Stadt Cöln zu erhalten.“
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Dieser Aufforderung kam man seitens der Stadt Köln auch nach, es folgte ein Reaktionsschreiben durch den städtischen Schulbeamten Kahl an das Ministerium in Berlin. In seinem Brief vom 18.12.1915 nahm dieser sowohl Bezug auf die Bitte aus München als auch auf das Gesuch des Kölner Gymnasial- und Stiftungsfonds, für den Erhalt der Objekte einzutreten.
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Zumindest auf Seiten der Münchener scheinen die strittigen Besitzverhältnisse dem Interesse an den Objekten keinerlei Abbruch getan zu haben, wenn man denn überhaupt von den Auseinandersetzungen Kenntnis nahm. Im Mai 1916 jedenfalls wandte sich das Deutsche Museum schließlich in einem Schreiben direkt an die Direktion des Dreikönigsgymnasiums. Da die angeforderten Objekte bisher nicht eingetroffen seien, bitte man um baldige Zusendung. Handschriftlich notierte vermutlich Direktor Franke darauf den Vermerk „Besitzfrage noch nicht entschieden“.
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Das Deutsche Museum verfügte zu diesem Zeitpunkt offenbar nicht nur über eine genaue Vorstellung davon, was ihrer Sammlung noch fehlte, sondern war genauso gut darüber informiert, welche Kostbarkeiten sich im Kölner Kabinett befanden. Andernfalls ließe sich der außerordentlich präzise Charakter der Anfrage kaum erklären. Angefordert wurden nämlich „ein Erdglobus, ein Himmelsglobus von je 4 Fuß Durchmesser, ein Himmelsglobus von kleinem Durchmesser, ein Nollet’sches Planetarium, zwei Horologien, zwei Sonnenuhren, eine in Messing, eine in Holz, einen [sic!] Kreisbogen in Messing, eine Monduhr in Messing, zwei kleine Astrolabien in Kupfer.“
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Zur Übersendung der angefragten Objekte ist es letztlich nicht gekommen, sie verblieben in Köln, viele von ihnen bis heute. Die meisten der beschriebenen Instrumente lassen sich einzelnen Objekten des heutigen Bestandes des Stadtmuseums zuordnen. Sie fallen im Inventar von 1829 in die Kategorie „VI Astronomie und Gnomik“. In den Fällen des Erd- und des Himmelsglobus von 4 Fuß Durchmesser ist zweifelsohne die Rede von den beiden Coronelli-Globen, die um 1700 in jesuitischen Besitz gelangten
Anmerkungen
Empfohlene Zitierweise aus dem Beitrag:
Skowronek, Vanessa, Gefragte Objekte: Die Verhandlungen mit dem Deutschen Museum in München, in: Gersmann, Gudrun (Hrsg.), Das Physikalische Kabinett – Von der jesuitischen Lehrsammlung zum kulturellen Erbe, DOI: https://dx.doi.org/10.18716/map/00004, Publikationsumgebung mapublishing (2019), URL: hier Seiten-URL einfügen (zuletzt abgerufen am: Abrufdatum einfügen), ggf. für die stellengenaue Zitation „Abs.“ und Absatz-Nr. einfügen.
