Finanzierung von Universitätsstudien während der Reformation: Studentische Briefe aus dem Stadtarchiv von Kaschau (Košice in der Ostslowakei)
Fazit Studienfinanzierung in der Reformationszeit
Iulia Capros
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Wie die Briefe der Studenten zeigen, gab es einen relativ regelmäßigen Austausch zwischen dem Kaschauer Stadtrat und seinen Bürgern im Ausland. Es wurde auch erwartet, daß die Studenten den Kontakt zur Stadt aufrecht erhalten und regelmäßig über ihren Entwicklungsstand, ihre Fortschritte und Wechsel zu anderen Universitäten informieren sollten. Sehr oft entschuldigen sich die Studenten für ihre verspäteten Kontaktaufnahmen, erklären dies unter anderem mit Zeitmangel, am häufigsten aber mit dem Fehlen einer Möglichkeit, Briefe nach Kaschau mitzugeben. Diesen Entschuldigungen stellen sie Erinnerungen an die jährliche Zahlung ihres Stipendiums oder Bitten um eine Stipendiumserhöhung anbei. Die Stadt sandte wierderum Briefe an ihre Stipendiaten, meistens nur kurze Mitteilungen über Geldübersendungen und gute Wünsche für das weitere Studium verbunden mit der Hoffnung, daß Kaschau eines Tages von ihnen profitieren können würde. Manchmal kam es vor, daß der Stadtrat die Studenten bat, ihnen mit Informationen über die Situation in ihren Gastregionen behilflich zu sein, Lehrer für die Kaschauer Schule zu finden, die finanziellen Probleme anderer Kaschauer Studenten an der gleichen Gasthochschule lösen zu helfen oder verschiedene andere Dinge zu erledigen. Wie erwähnt war der Kaschauer Stadtrat nicht nur eine Anlaufstelle für finanzielle Unterstützung von Studenten, sondern auch auf anderen Gebieten. So wurde die Stadtverwaltung auch von den Gastuniversitäten der Kaschauer Studenten bei Schwierigkeiten wie extremen Schulden, fehlenden Studienfortschritten oder finanziellen Problemen angeschrieben.
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Nur in einigen Fällen kann sicher gesagt werden, daß die Studenten nach Ende ihres Studiums nach Kaschau zurückkehrten, um in der Schule oder Kirche zu arbeiten, oder bereits frühere Tätigkeiten wieder aufzunehmen. Die Überlieferung lässt es nicht zu, eindeutige Schlüsse über die Höhe der Beträge aus verschiedenen Einkommensquellen zu ziehen und festzustellen, über wieviel Geld der einzelne letztlich verfügte, um sein Studium zu bestreiten. Nicht klar ist auch, nach welchen Kriterien der Stadtrat über die Höhe und die Länge von Stipendienszahlungen entschied. In vielen Fällen scheint es sich dabei eher um ein Zubrot gehandelt zu haben, das kaum alle Ausgaben des Studenten am Universitätsort decken konnte. Mit Sicherheit kann aber festgestellt werden, daß der Stadtrat von Kaschau eine sehr wichtige Rolle bei der Unterstützung der Studenten und der Förderung von Bildungschancen unter seinen Mitbürgern spielte.
Empfohlene Zitierweise:
Capros, Iulia, Fazit Studienfinanzierung in der Reformationszeit, Abschnitt Finanzierung von Universitätsstudien während der Reformation – Studentische Briefe aus dem Stadtarchiv von Kaschau (Košice in der Ostslowakei), in: Berger, Andreas / Speer, Andreas (Hrsg.), Studentengeschichte zwischen Mittelalter und Neuzeit, DOI: https://dx.doi.org/10.18716/map/00006, Publikationsumgebung mapublishing (2015), URL: hier URL einfügen (zuletzt abgerufen am: Abrufdatum einfügen).
